Hallo zusammen!

Ich weiß, ich weiß, ich hänge ziemlich hinterher! Denn während ich es endlich mal geschafft habe, meine Erlebnisse in Ecuador in Worte zu fassen, bin ich mittlerweile schon durch Peru, Bolivien, teilweise Argentinien und halb Chile gereist, in letzterem befinde ich mich derzeit. Aber seht es mir nach, denn zwischen den tollen Sachen, die ich unternehme und den unzähligen fantastischen (und zugegeben auch nicht so fantastischen) Leuten, die ich unterwegs kennen lerne, ist einfach nicht so viel Zeit.

Aber genug der einleitenden Worte. Am 06.08.18 bin ich in Ecuador eingereist und ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen, weil der Grenzübergang ein bisschen crazy war. Die Grenze war voller Venezolaner, die aufgrund der unterirdischen Situation in ihrem Land den langen Weg nach Peru (also über Kolumbien und Ecuador nach Peru) auf sich nehmen und wir haben fast drei Stunden gebraucht, ehe wir endlich die Grenze überqueren durften. Aber was dann kam, gefiel mir außerordentlich gut.

Tulcan

Tulcan ist der erste Ort nach der Grenze. Dort verbringen wir eine Nacht, sehen uns den Friedhof an und fahren am nächsten Tag direkt weiter nach Otavalo.

So sehen Friedhöfe in Südamerika aus
Dieser ist besonders bekannt für seine kunstvoll gestalteten Hecken/Büsche

Otavalo

Otavalo liegt auf 2500 m und ist umringt von den drei Vulkanen Imbabura, Cotacachi und Mojanda und dadurch landschaftlich ziemlich schön. Auch der ganze Ort an sich ist wirklich angenehm, nicht zu groß, nicht zu klein, voll mit indigenen Menschen, Männer mit langen schwarzen Zöpfen und Frauen in der traditionellen Kleidung der Kichwas. Außerdem ist Otavalo für den großen indigenen Markt bekannt. Auf dem Plaza de Poncho werden an unzähligen Ständen Souvenirs, Pullover, Ponchos, Taschen, Decken und vieles mehr verkauft. Die Auswahl ist erschlagend. Jeder versucht etwas zu verkaufen, schaut man eine Sekunde zu lange auf einen Pullover wird angefangen, zu verhandeln. Dreht man sich weg, fallen die Preise plötzlich drastisch. Es ist fast traurig, weil die Leute unbedingt etwas verkaufen wollen.

Otavalos Hauptplatz
Mercado

Im Hostel treffen wir zwei Frauen aus Südafrika. Sie schwärmen uns von der Cuicocha Lagune, die wir unbedingt besuchen und umwandern sollen, vor. Cuicocha ist Kichwa und bedeutet Lagune des Meerschweinchens. Also nehmen wir uns für den nächsten Tag vor, zur Lagune zu fahren und sie in fünf Stunden zu umrunden. Die Lagune hat einen Durchmesser von 3 km und ist eigentlich eine Kraterlagune. Am nächsten Morgen verlieren wir allerdings die Lust und beschließen, einfach nur so zur Lagune zu fahren. Wir fahren 20 Minuten mit dem Bus und müssen dann ein Taxi zur Lagune nehmen. Unser Taxifahrer heißt Jorge. Er fragt, ob wir um die Lagune wandern wollen, wir verneinen, also schlägt er vor, auf uns zu warten. Okidoki. Wir machen unsere Fotos und treffen dann einen alten Mann, der an einer Art Webstuhl sitzt. Dort kann er in 5 Minuten ein personalisiertes Armband herstellen. Während er unsere Armbänder webt, erzählt er uns von einem Mann aus Deutschland, der nun in Ecuador wohnt. Ein herziger kleiner Mann 🙂

Laguna Cuicocha

Jorge möchte sich auf dem Rückweg sehr gern mit uns unterhalten und nachdem wir geklärt haben, wie alt wir alle sind und was wir beruflich machen, lässt er uns wissen, dass er uns sehr schön findet. Ach, die Ecuadorianer sind schon witzig 🙂

Quito

Nur zweieinhalb Stunden von Otavalo liegt die Hauptstadt Ecuadors Quito auf 2800 m und ist damit die höchste Hauptstadt der Welt. Als wir am Abend ankommen, laufen wir durch die Stadt und schauen uns die ersten Sehenswürdigkeiten an. Als wir an einen großen Platz kommen, der gefüllt ist mit Menschen, fragen wir uns, was hier los ist. Dann sehen wir ein Schild, das sagt „La fiesta de la luz“, das Fest des Lichts. Und tatsächlich, als es dunkel ist, wird plötzlich eine Lightshow auf die Kirche projiziert und mit Musik untermalt. Nach der Show strömen alle Menschen in eine Richtung zur nächsten Kirche. Wir lassen uns mit der Menge treiben, es scheint ganz Quito auf den Beinen zu sein. Die nächste Lightshow ist noch schöner und am Ende gibt es sogar ein Feuerwerk.

Der Himmel über Quito ist so schön
Fiesta de la luz – auf die San Francisco Kirche wird eine Lightshow projiziert

Am nächsten Tag machen wir eine Stadtführung, bei der uns viel über die Geschichte von Quito erzählt wird. Zum Beispiel hatte Ecuador früher eine eigene Währung namens Sucre. Als diese im Jahr 1999 mit einer Inflationsrate von 90% verfiel, entschied man sich, den Dollar einzuführen. Das Geld der gesamten Bevölkerung wurde eingefroren. Es hieß für zwei Tage. Es wurden vier Wochen daraus. Der Umrechnungskurs wurde zudem falsch festgesetzt und die Menschen verloren fast alle ihre Ersparnisse.

Denkmal der Unabhängigkeitshelden von 1809
Plaza de la independencia
Virgen de Quito auf dem Brötchenberg (el panecillo – zu dt. Brötchen)

Am Nachmittag machen wir eine Tour zur Mitte der Welt – zum Äquator – dem Namensgeber Ecuadors. Eigentlich gibt es zwei verschiedene Punkte: zum einen das Monument, was angeblich auf der Nulllinie erbaut wurde, zum anderen die durch GPS festgelegte, korrekte Linie ungefähr 200m entfernt vom Monument. Unser Guide zeigt uns an der GPS-Linie ein paar physikalische Spielereien. So stellt sie ein Becken mit Wasser und einigen Blättern über die Äquator-Linie und lässt es ablaufen. Es läuft einfach nach unten ab, es dreht sich nicht. Bereits zwei Meter weiter südlich bzw. nördlich der Linie dreht sich das Wasser. Außerdem erklärt sie uns, dass es um den Äquator Wetterphänomene wie Tornados oder Hurrikans (was ist die Mehrzahl von Hurrikan?) nicht gibt, weil die Coriolis-Kraft nahe dem Äquator gleich Null ist. Das ist einleuchtend. Aber warum dreht sich dann das Wasser zwei Meter südlich/nördlich? Alles nur ein Trick? Manche behaupten, es liege daran, dass das Wasser mit Schwung ins Becken gegeben wird. Anschließend sollen wir mit ausgestreckten Armen und geschlossenen Augen auf einer Linie balancieren. Ich beobachte die anderen und denke so bei mir: „Die stellen sich aber an, kann doch nicht so schwer sein!“ Als ich es selbst versuche, komme ich keine drei Schritte weit. Angeblich liegt das daran, dass wir am Äquator so weit vom Erdinnern weg sind, dass die Gravitation hier weniger wirkt.

Offizielle GPS-Linie
Offizielles Monument ca. 200m von der GPS-Linie entfernt
Egal, wo nun genau der Äquator ist, ich war da! 🙂

Anschließend besuchen wir noch das offizielle Monument, dann fahren wir zurück nach Quito, wo wir mit der Seilbahn auf 4050m fahren. Von dort aus lässt sich auch der 4690m hohe Vulkan Pichincha bewandern, aber auch von 4050m hat man einen guten Blick auf die 60km breite Hauptstadt Ecuadors. Es wird schon dunkel und es ist empfindlich kalt. Wir rennen schnell einmal hin und her, machen unsere Fotos und fahren wieder nach unten.

Blick vom Pichincha auf 4050m
Quito hat eine Ausdehnung von 60km

Zurück im Hostel müssen wir schon wieder packen, denn wir werden heute Nacht noch in den Amazonas fahren.

Cuyabeno Reservat im Amazonas-Regenwald

Vier Tage, drei Nächte verbringen wir im Cuyabeno-Reservat im Amazonasgebiet Ecuadors. Das ganze kostet insgesamt $320. Mit dem Nachtbus fahren wir achteinhalb Stunden von Quito nach Lago Agrio. Von dort werden wir im Kleinbus weitere zwei Stunden durch die Gegend gekarrt zum Cuyabeno-Fluss. Auf dem Fluss schippern wir weitere zwei Stunden im Kanu zu unserer Lodge, der Dolphin-Lodge. Wir sind halb verhungert als wir endlich unser spätes Mittagessen bekommen. Auf dem Weg zur Lodge bekommen wir einen ersten Eindruck von der Artenvielfalt im Amazonasgebiet. Alles ist verwachsen, grün, saftig und wir halten ein ums andere mal an, um die ersten Tiere zu beobachten.

Los geht das Abenteuer auf dem Cuyabeno-Fluss
La laguna grande

Unsere Gruppe ist bunt gemischt, sowohl vom Alter als auch von der Herkunft: Franzosen, Belgier, Amerikaner, Engländer, eine Schweizerin und eine Einheimische. Nach dem Mittagessen ziehen wir unsere Schwimmsachen an und fahren zur Großen Lagune, um dort baden zu gehen und den Sonnenuntergang zu genießen. Das Licht der untergehenden Sonne spiegelt sich herrlich im Wasser, es ist ein traumhafter Anblick. Die Kaimane brauchen wir nicht zu fürchten, denn die seien nur am Ufer zu finden.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang auf der großen Lagune
Krasse Wolken

Am nächsten Tag machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zu einer Community. Dort wird uns gezeigt, wir man Brot aus Yucca herstellt und werden dem lokalen Schamanen vorgestellt, der uns seine Rituale näher bringt. Ich bin überrascht, dass bei ernsthaften Beschwerden immer das Krankenhaus bevorzugt wird. Später höre ich böse Stimmen behaupten, dass der ganze Zauber nur für die Touristen durchgeführt wird und der Schamane sowas wie ein Schauspieler sei. Ich weiß es nicht.

Besuch bei der Community
Kakao
Nachdem wir Yucca geentert, geschält, gerieben und getrocknet haben, machen wir Brot daraus

Am Abend fahren wir mit dem Boot zur Großen Lagune und legen an einer Stelle an. Von dort aus laufen wir im Dunkeln mit unseren Taschenlampen bewaffnet ca. eine Stunde im Dschungel herum. Wir sehen leider nichts nennenswertes, was auch an unserem ziemlich unfähigen Guide liegen kann. Stattdessen werden wir trotz Mückenspray und langen Hosen von ungefähr 583465 Mücken zerstochen. Satz mit X… Als wir mit dem Boot im Dunkeln wieder zur Lodge fahren, sehen wir allerdings einen umwerfenden Sternenhimmel inkl. Milchstraße. Und für einen ganz kurzen Augenblick einen riesigen Kaiman-Kopf.

Is it a monkey, is it a jungle pig? No,it’s a porcupine (links oben)

Am nächsten Tag steht eine Wanderung im Dschungel auf dem Tagesplan. Dafür bekommen wir Gummistiefel ausgehändigt. Während ich mich erst noch frage, warum genau wir jetzt Gummistiefel brauchen, wird es mir später klar, als wir eine entgegenkommende Gruppe sehen, bei der der Schlamm teilweise in die Gummistiefel gelaufen ist. Ich bin etwas angespannt, weil ich wirklich absolut keinen Bock habe, mit Schlamm in den Schuhen rumzulaufen.

Libelle, Minifrosch, Zikadenpanzer und Piranha 3D

Es wird insgesamt ziemlich wackelig, wir müssen auf Baumstämmen balancieren, durch fast knietiefen Schlamm waten und sehen am Ende so gut wie keine Tiere. Als wir mit unserem Boot bei der Lodge anlegen, werden wir von einer handgroßen Tarantel begrüßt. Alle stürzen sich wie verrückt auf die große Spinne und wollen ein ultranahes Foto bekommen. Unser Tourguide steigt direkt mit ein und dirigiert das wilde Tier umher und versucht es einzufangen. Da mir die ganze Show ziemlich auf die Nerven geht, gehe ich schonmal in den Speiseraum. Keine drei Minuten später läuft unser Guide mitsamt Vogelspinne auf der Hand in den Speiseraum und versucht die Touristen zu animieren, das Tier zu fotografieren oder sogar auf die Schulter zu setzen. An dieser Stelle war ich wirklich angepisst, weil sich meiner Meinung nach ein Guide respektvoll im Umgang mit der Natur zeigen sollte. Und das entbehrt jeglichem Respekt.

Anaconda!

Am letzten Tag geht es ziemlich früh los, da wir Vögel beobachten wollen. Zwischen 6 und 8 Uhr morgens tuckern wir mit unserem Boot über den Fluß und suchen Vögel. Am Ende fischen wir noch ein paar Piranhas. Auch das ist etwas grenzwertig, da sich der Guide nicht mit einem Piranha begnügt und auch hier wieder die Touristen animieren will, auch Piranhas zu fischen. Er scheint verdutzt, als es niemand mehr versuchen will. Nach dem Frühstück heißt es dann schon, Sachen packen, denn es geht zurück nach Lago Agrio. Auf dem Rückweg haben wir tatsächlich großes Glück: wir sehen eine ca. 2 Meter lange Anaconda auf einem Baumstamm liegen. Der Bus bringt uns zurück nach Quito, wo wir erledigt ins Bett fallen.

Zurück zur Zivilisation!

Kurze Anmerkung: leider sind die Bilder nicht so gut geworden, wie sie hätten werden können. Versucht mal von einem wackeligen, sich ständig bewegenden Boot ein gescheites Bild von Tieren zu machen, die sich zu allem Überfluss auch noch bewegen -.-

Und das war auch schon der erste Teil Ecuador. Der zweite Teil kommt ganz bestimmt sehr bald (falls ich es schaffe).

Ich hoffe, es geht euch allen gut und ich konnte euch kurz unterhalten.

Liebe Grüße aus Chile

Auf bald.

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