Hallo zusammen!

Während ich hier im wunderschönen Cusco in Peru sitze und auf meine lieben Freunde auf Deutschland warte, habe ich etwas Zeit mich mal wieder um meinen Blog zu kümmern. Ich möchte gern in ein bis zwei Teilen sowohl Kolumbien als auch Ecuador für euch zusammenfassen. Und heute beginnen wir – offensichtlich – mit Kolumbien. Es wird mal wieder lang, dafür gibt es aber auch viele Bilder 🙂 Viel Spaß beim Lesen!

Segeltrip von San Blas (Panama) nach Cartagena (Kolumbien)

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, alle Wege per Bus zu machen. Allerdings ist es schlicht nicht möglich, von Panama mit dem Bus nach Kolumbien zu kommen, da die Provinz Darién im Süden nicht nur ein großer Sumpf, sondern auch Drogengebiet ist. Man kann also einen Flug von Panama Stadt buchen oder – zugegeben etwas teurer – mit dem Segelboot nach Cartagena segeln. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: mit dem Schnellboot innerhalb von drei Tagen, dabei schläft man auf den San Blas Inseln oder mit dem Segelboot innerhalb von 5 Tagen. Ich habe mich für letzteres entschieden, was mich mit Shuttle zum Hafen insgesamt $525 gekostet hat. Gebucht habe ich im El Machico Hostel in Panama, in dem ich auch untergebracht war. Große Empfehlung an dieser Stelle, es ist ein richtig tolles Hostel!

Von Porto Bello geht es am Abend los zu den San Blas Inseln, um die wir in den ersten drei Tagen des Trips segeln werden. Unsere Gruppe besteht aus den verschiedensten Leute aus den verschiedensten Ecken der Welt und ist ziemlich cool. Insgesamt sind wir 15 Leute inkl. Crew. Einige vertragen leider den Seegang nicht so gut. Tabletten gegen Übelkeit sind hier ein absolutes Muss! Ohne diese hätte ich wirklich alt ausgesehen.

Drei Tage segeln wir um die zahlreichen (fast 370) San Blas Inseln, die von den Kuna bevölkert werden. Teilweise handelt es sich um kleine, unbewohnte Inselchen, umgeben von glasklarem Wasser, das zum Schnorcheln einlädt. Noch nie war ich schnorcheln, was für eine schöne Erfahrung. Im glasklaren Wasser sehen wir tolle Korallen und zahlreiche bunte Fische.

Der vorletzte Tag ist der härteste, denn wir segeln 30 Stunden auf dem offenen Meer. Stundenlang ist nichts zu sehen als Wasser und Himmel (und zwei Flip Flops). Die Crew hat zwei Angeln rausgehangen und tatsächlich fängt eine plötzlich an zu schnurren. Wie aufregend! Als ich sehe, was da an der Angel hängt und vermutlich gleich in unserem Boot sein wird, wird mir kurz anders, denn es handelt sich um einen zwei Meter großen Schwertfisch, den Jaime aus der Luft pflückt. Die Schwertfisch-Steaks, die wir zum Abendessen bekommen, sind riesengroß und unfassbar lecker.

Als wir am Abend in den Hafen von Cartagena einlaufen, sind alle froh bald wieder festen Grund unter den Füßen zu spüren und wieder duschen zu können. Und selbst einige Tage später fühlt es sich noch so an, als würde ich auf dem Meer schaukeln.

Um Ausreise in Panama und Einreise in Kolumbien kümmert sich übrigens unser Kapitän. Wir müssen dabei nicht mal anwesend sein, geschweige denn irgendwas ausfüllen.

Cartagena

Cartagena ist eine Kolonialstadt an der Karibikküste Kolumbiens. Und das merkt man auch, denn es ist einfach unfassbar heiß. Das historische Viertel der Stadt ist mit unzähligen wunderschönen Gebäuden übersät, die Häuser sind bunt, es gibt viele Graffitis an den Wänden. Auf dem Hauptplatz wird dir im Sekundentakt versucht irgendwas zu verkaufen. Sei es ein Hut gegen die Hitze oder eine Flasche Wasser. Selbst wenn du überdeutlich eine Flasche Wasser in den Händen hältst, wirst du gefragt: „Agua, agua, agua?“

Von Cartagena aus machen wir einen Ausflug zum Schlammvulkan El Totumo. In einem kleinen Bus werden wir zum zwei Stunden entfernten Schlammvulkan gefahren. Einmal umziehen und los geht’s. Über eine verschnodderte Holzleiter steigen wir drei Meter hinab in den Schlamm, wo schon eine Gruppe Touristen vor sich hintreibt. Im Schlamm angekommen, werde ich direkt von zwei Männern für eine Massage in Position gebracht. Es ist schwierig sich im angeblichen Heilschlamm zu bewegen, da man auf ihm treibt. Immer wieder kippe ich zur Seite. Um mich herum sind Extremitäten der anderen Touristen, weil der Krater mit fast 20 Leuten vollgestopft wird. Es ist absolut merkwürdig in diesem schleimigen Zeug zu treiben, zu wissen, dass er 2km in die Tiefe reicht und immer wieder an andere Menschen zu stoßen. Wir alle fühlen uns etwas seltsam. Aber es entbehrt nicht einer gewissen Komik. Nach 15min wird uns der Schlamm vom Körper abgestreift und wir marschieren tropfend zum nahen Fluss um uns abzuwaschen und danach zu duschen. Was für eine Erfahrung! 🙂

Santa Marta

Santa Marta ist eine untouristische Kleinstadt in der Sierra Nevada de Santa Marta, 4h entfernt von Cartagena. Die Stadt ist nicht schön und fühlt sich für uns extrem unsicher an. Aber von hier starten die meisten Touren zum Tayrona Nationalpark und zum Lost City Trek. Über letzteren habe ich euch hier schon ausführlich berichtet.

Tayrona Nationalpark

Der Tayrona Nationalpark befindet sich an der Karibikküste Kolumbiens und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Mit einer Tour fahren wir zum Park und beginnen unsere Wanderung zu den Stränden. Unser Guide läuft ziemlich schnell, der Weg ist anstrengend, steinig und teilweise steil. Wir werden zu drei Stränden geführt, am bekanntesten – und überfülltesten – haben wir über eine Stunde Zeit, die wir für ein Nickerchen nutzen. Danach laufen wir den gleichen Weg wieder zurück, wieder im Affenzahn. Auf dem Weg sehen wir genau ein Aguti und zwei Affen. Leider habe ich mir hier mehr erwartet.

Minca

45min von Santa Marta entfernt befindet sich der kleine Ort Minca mitten in den Wäldern der Sierra Nevada de Santa Marta. Den Weg zu unserem Hostel, das sich etwas außerhalb befindet, müssen wir auf einem Mototaxi zurücklegen. Ja, richtig gehört, auf einem Motorrad-Taxi! Ich hab mir fast in die Hose gemacht vor Angst, denn der nette Fahrer ist in einem Affenzahn die unbefestigte Straße hinaufgesaust. Nur 5min von unserem Hostel entfernt befindet sich ein Wasserfall, den ich leider nicht sehen werde, da ich so erschöpft vom Lost City Trek einfach nur schlafe.

Medellin ♥

Von Santa Marta kann man in 17 kurzen Stunden mit dem Bus Medellin erreichen oder einfach fliegen so wie wir, das dauert auch nur 2h. Oh Medellin, du beeindruckendes Medellin! Eine Woche haben wir in Medellin verbracht, weil es dort einfach so schön war, so viel zu sehen und zu erleben gab.

Medellin Downtown

Medellin ist eine sehr geschichtsträchtige Stadt, eine Stadt mit einer dunklen Vergangenheit, da hier der Kopf des Narcos-Drogenkartells wohnte und von hier aus sein Geschäft führte. Wir reden von keinem anderen als von Pablo Escobar. Medellin war einst die gefährlichste Stadt der Welt, zur Zeit als Pablo Escobar Schrecken und Angst in ganz Kolumbien verbreitete. Wenn man die Menschen fragen würde, was sie von Escobar halten, sagen die einen, er sei ein Mörder und ein schlechter Mensch, der viel Unglück und Leid über ganz Kolumbien gebracht hat. Fragt man in den ärmeren Vierteln nach wird er fast glorifiziert, da er den Menschen Arbeit beschaffte und somit Geld. Er baute Häuser für die Armen und wird als Held gefeiert. Aber wie sagte unser Free Walking Tour Guide Natalie so treffend: „Was sind 300 Häuser gegen 30.000 Menschen, die er getötet hat?“

Bei einer Graffiti-Tour durch die Comuna 13 erfahren wir, was heute dafür getan wird, die armen Gebiete in Medellin zu verschönern und aufzuwerten. Welche Projekte angeboten werden, um die Kinder von den Straßen zu holen. Die Comuna 13 war das letzte Stadtviertel in ganz Kolumbien, in dem sich die Guerillas aufhielten. 2002 beschloss der damalige Präsident Uribe, die Guerillas durch einen Militäreinsatz zu vertreiben. Das hieß im Klartext, er schickte Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge, die alles platt machten, was sich bewegte. Zur Erinnerung, die Comuna 13 ist ein Wohngebiet. Es wurde geschossen, auf Alte, auf Kinder, auf alles. Die Menschen baten mit weißen Bettlaken und Taschentüchern um eine Feuerpause, aber der Kampf hielt insgesamt vier Tage an. Vier Tage lang starben unzählige unschuldige Menschen. Auch sonst herrschten harte Regeln. Hielten sich die Leute nicht daran, sind sie beim dritten Vergehen verschwunden. Sie wurden getötet und in der Kiesgrube vergraben, die man heute noch gut von der Comuna 13 aus sehen kann. Wie unvorstellbar ist das Leid, dass die Menschen damals erleiden mussten. Im Gegensatz dazu ist es heute sehr viel besser. Die Stadt gibt sich wirklich Mühe. Das kann man sehen.

Comuna 13
Mit Graffitis wird das Viertel versucht aufzuwerten

Es ist interessant in Medellin. Die Menschen sind herzlich und heißen uns in ihrer Stadt willkommen, was mich sehr anrührt. Sie wissen um die dunkle Vergangenheit und sind umso fröhlicher, dass es Menschen gibt, die nun ihre schöne Stadt besuchen, die in der Vergangenheit so viel leiden musste. Trotzallem vermeidet Natalie es, den Namen Escobars auf offener Straße auszusprechen, zu viel Emotion, Ärger und Missmut hängen an diesem Namen.

Zuletzt führt sie uns auf einen Platz, auf dem zwei Statuen des berühmten Künstlers Fernando Botero stehen. Eine der Statuen ist zerstört, die andere wie neu. Natalie erklärt uns, hier habe während eines Festivals im Jahre 1995 eine Guerilla-Gruppe einen Rucksack voller Sprengstoff platziert, es starben 30 Menschen, 200 wurden verletzt. Der Bürgermeister wollte die zerstörte Statue durch eine neue ersetzen lassen, was Botero zu verhindern wusste. Die alte Statue sollte bleiben. Als Signal, als Mahnmal, als Zeichen, dass sich Medellin nicht unterkriegen lässt. Dass sich die Zeiten geändert haben. Dass der Terror vorbei ist.

Jetzt hat die Stadt des ewigen Frühlings, die aufgrund des stabilen guten Wetters diesen Namen hat, sogar den Titel „innovativste Stadt des Jahres“ erhalten. Weil sich so viel ändert, weil so viel für die Stadt getan wird, um sie aufzuwerten. Weil sich Medellin und seine Bewohner nicht unterkriegen lassen.

Ganz anders sieht es am nächsten Tag aus. Wir besuchen das Offizielle Pablo Escobar Museum. Dort angekommen treffen wir Pablos ältesten Bruder Roberto und schütteln ihm die Hand. Er selbst war wohl nur der Buchhalter der Narcos und hat seine Strafe abgesessen. Er ist allerdings fast blind und taub, da er eine Briefbombe zugeschickt bekam. Alles ist irgendwie komisch, da unser Guide – ehemaliger Nachbar von Pablo – sehr positiv über den Drogenboss spricht. Er zeigt uns Pablos Haus, seine Autos (sein erstes Auto war ein Wartburg aus Eisenach/Thüringen), sein Wohnzimmer. Im Fenster und Sofa kann man noch die Einschusslöcher sehen, als mal wieder irgendjemand versuchte, Pablo zu töten. Wir besuchen sein Grab, andere Immobilien, die ihm gehörten und werden das Gefühl einfach nicht los, dass hier irgendwas verkehrt läuft. Auf die Frage, was er persönlich von Pablo hält, sagt er: „Pablo was a gentleman. He did so much good for the people!“ Er sei ein Familienmensch und liebender Vater gewesen. Ja okay, er brachte aber auch viele Menschen um. Zählt das nicht?

Hier feierte Escobar seinen letzten Geburtstag, bevor er am nächsten Tag erschossen wurde
Einschusslöcher im Wohnzimmerfenster
Immer noch legen Menschen Blumen am Grab nieder

Gerade eben habe ich gelesen, dass das Museum von der Polizei geschlossen wurde, da es Escobar verherrlicht. Das wundert mich wirklich nicht.

Auf einer Tour zu Pablos Mansion La Manuela (benannt nach seiner Tochter) am nächsten Tag bekommen wir dann von unserem Guide eine Geschichte über Pablo zu hören, die das ganze Gentlemen-Gequatsche zu einer Farce macht. Pablo habe seine Leute in die ärmsten Gebiete Medellins geschickt, damit diese ihm jungfräuliche Mädchen bringen, mit denen er Sex haben kann. Er bot viel Geld dafür. Alle Mädchen lehnten ab. Alle Mädchen wurden daraufhin getötet. Wie kann man bitte über so einen Menschen sagen, er sei ein Gentleman?

Die Mansion wurde übrigens mittlerweile zu einer Paintball-Arena umfunktioniert. Makaber oder?

Die Ställe und das Gästehaus wurden zur Paintball-Arena umgebaut (das Bild ist ohne Filter, auch wenn es so aussieht)

Der ganze Hype um Pablo ist wirklich unfassbar. Nicht zuletzt ist natürlich die Netflix-Serie schuld, dass jeden Tag mehrere 100 Menschen zu Pablos Grab strömen. Auch wenn angeblich vieles in der Serie nicht der Wahrheit entspricht. Ich kann es nicht sagen, ich habe die Serie nicht besonders stark verfolgt.

Aber abgesehen von Escobar gibt es im Umland Medellins auch was zu sehen. So gibt es das kleine, malerische Städtchen Guatapé unweit vom El Penol, einem riesigen Felsen, den man über 659 Stufen erklettern kann und einen wunderschönen Ausblick hat. Aber damit beglücke ich euch im zweiten Teil. Fein, wenn ihr es bis hieher geschafft habt. Hier ein kleiner Teaser, damit ihr auch sicher den zweiten Teil lest 😛

El Penol – da bin ich hochgeklettert!

Ich hoffe sehr, es geht euch allen ganz außergewöhnlich gut?!

Liebe Grüße aus Peru und bis bald

Eure Stef

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen tollen Bericht und deine so emotional beschriebenen Eindrücke. Du solltest es zu deinem Beruf machen!!!!
    Freue mich schon auf deine nächsten Berichte🙋🙋🙋🙋

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